Am 02.07. waren die Klassen 9b und 9d zusammen im Deutschen Theater, um sich das Stück Jugend ohne Gott“ anzusehen. Diesem Besuch ging eine intensive Beschäftigung mit dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth, der seit seiner Erscheinung 1937 in 8 Sprachen übersetzt und zweifach verfilmt wurde, voraus.
Der Roman spielt zur Zeit des Nationalsozialismus und wird aus der Perspektive eines Lehrers erzählt, der sich – während er die Welt bisheriger Werte am Untergehen sieht – noch als humanistisch und gerechtigkeitssuchend inszeniert. Die Jugend sei hingegen „verroht“, was damit zusammenhänge, dass sie eher zu Soldaten als zu Menschen erzogen wird. Sie größtenteils an das damalige Weltbild angepasst, wodurch es den Jugendlichen an Empathie fehlt und die (außerhalb einer militärischen Ausbildung) kein allzu großes Interesse an Bildung zu zeigen scheinen.
Die gleichnamige Verfilmung von 2017, mit der wir uns im Anschluss an die Lektüre auseinandergesetzt haben, übernimmt den Großteil der Handlung, verlegt sie jedoch – in angepasster Weise – in eine nahe Zukunft. Hier ergibt sich der dargestellte Werteverlust nicht aus einer nationalsozialistischen, sondern einer Ideologie der Leistungsoptimierung.
Letztlich also die Theateradaption: Das Stück, von einer Schauspielgruppe mit diversem ethnischen Hintergrund unter der Regie von Emel Aydoğdu inszeniert, folgt anfangs der Handlung des Romans, endete auf der Hälfte jedoch abrupt und wurde zu einem Gespräch der Schauspieler über ihre Ängste (angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen Deutschlands) und Wünsche. Bei der pessimistischen Stimmung des Romans sowie Films bleibt das Theaterstück also nicht stehen; es erzählt eine andere Geschichte – eine der Aufrichtigkeit und Gemeinsamkeit.
Im nachgehenden Gespräch im Unterricht offenbarten sich unterschiedliche Urteile über die Umsetzung: Während einigen die Darstellung sowie der unerwartet politische Schlussteil gefiel, hätten sich andere gewünscht, die gesamte Handlung des Romans im Theater zu sehen.
Trotz des geteilten Stimmungsbildes war es für alle eine interessante Erfahrung, erstmalig eine Aufführung in einem bedeutsamen Theater Deutschlands zu erleben.
Ein Bericht von Noa (9b)
